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26.02.2013

Die Herausforderungen sind hier wie dort ähnlich


Stadtmarketing: Tokios schwerer Stand im Schatten von Tsunami und Fukushima

Würden Sie ein Ortseingangsschild lesen können, auf dem „Tokio“ geschrieben steht? Das ist nicht weiter schwierig, oder? Allerdings dürfte Ihre Antwort wahrscheinlich anders ausfallen, wenn sie der japanischen Schriftsprache nicht mächtig sind und Ihnen keine Übersetzung hilft. Das Beispiel zeigt, vor welchen Schwierigkeiten Stadtplaner und Stadtmarketing-Experten mitunter stehen. Denn ob es sich nun um eine kleine Gemeinde in Deutschland oder um eine Metropole in Asien handelt: Beide stehen im internationalen Wettbewerb um Touristen und die Gunst der eigenen Bevölkerung. Gute Konzepte und überzeugende Lösungen sind gefragt, um konkurrenzfähig zu sein.

Tokio, die Metropole mit über neun Millionen Einwohnern und weit über 35 Millionen Menschen im Umkreis, galt lange Zeit als Speerspitze technologischer Entwicklungen und imposanter Sehenswürdigkeiten. Das ist sie zweifelsohne heute noch, wie beispielsweise der am 22. Mai 2012 eröffnete „Skytree“ zeigt. Mit 634 Metern ist er der höchste Fernsehturm der Erde, ein Bauwerk also, das den Namen „Leuchtturm-Projekt“ buchstäblich verdient hat. Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die Atomkatastrophe von Fukushima haben die Stadtverwaltung allerdings vor einige Herausforderungen gestellt. Shinichi Sogou, leitender Direktor der Touristikabteilung der Stadtverwaltung Tokio, war vor kurzem in Deutschland zu Gast, um das neue Stadtmarketingkonzept der Metropole vorzustellen. Ansatzpunkte sind vor allem drei Argumente, die Besucher derzeit von einem Trip nach Tokio abhalten könnten: Zu gefährlich, zu teuer und zu unübersichtlich.

Mehr junge Menschen in die Innenstädte

Um den ersten Kritikpunkt zu entkräften, war Professor Dr. Rolf Michel von der Leibniz Universität Hannover und stellvertretender Vorsitzender der deutschen Strahlenschutzkommission zur Präsentation erschienen. Im Großen und Ganzen konnte er Entwarnung geben, zumal alle Menschen „einer natürlichen Strahlenexposition ausgesetzt“ seien. Und die sei in Japan geringer als in Deutschland. Die Auswirkungen des Unfalls seien regional begrenzt und die Strahlenkontamination durch den Verzehr von belasteten Nahrungsmitteln selbst in der Präfektur Fukushima nur sehr gering.

Während es hier also hauptsächlich um Schadensbegrenzung im materiellen Sinne wie auch beim Image geht, sind die Steuerungsinstrumente des Stadtmarketings bei den anderen Argumenten zahlreicher und vielfältiger. Denn dass Tokio von vielen Deutschen als teuer angesehen wird, könnte auch damit zusammenhängen, dass viele Touristen bisher einer eher fortgeschrittenen Altersklasse angehörten – mit entsprechenden Ansprüchen und entsprechendem Geldbeutel. Sich Gedanken darüber zu machen, wie mehr junge Menschen in die Innenstädte gelockt werden können, spielt angesichts des demografischen Faktors auch in Deutschland eine entscheidende Rolle. In Tokio will man daher unter anderem daran anknüpfen, was die Jüngeren bereits kennen und mögen: Mangas oder Animes zum Beispiel. Das dürfte der Zielgruppe von morgen eher gerecht werden als an Kirchen und Schlösser angeschlossene Souvenirshops.

Systematische Ausrichtung an die Bedürfnisse der Gäste

Auch unübersichtlich muss heutzutage keine Stadt mehr sein. Der technische Fortschritt von GPS über QR-Codes bis hin zu mobilen Applikationen eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Interessenten für die eigene Stadt zu begeistern und sie zu ihrem Ziel zu führen, ob das nun die Geschäfte der lokalen Gewerbetreibenden, Sehenswürdigkeiten oder der nächstgelegene Bahnhof ist. Hier hat Tokio aus der Erfahrung gelernt, berichtet Sogou: „Wir haben den Geschäftsleuten beispielsweise Software zur Verfügung gestellt, mit der sie ihre Dokumente in Koreanisch, Englisch oder andere Fremdsprachen übersetzen können.“ Damit niemand mehr vor dem Ortsschild von Tokio nur „Bahnhof“ versteht.

Diese Thematik gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Gewicht. Durch die rapide Zunahme mobiler Endgeräte sind die meisten Besucher und Bürger mittlerweile in der Lage, vor Ort gezielt jede gewünschte Informationen zu erhalten. Dabei wird es künftig für eine moderne Kommune von entscheidender Bedeutung sein, passgenaue Angebote für diese Zielgruppen bereitzustellen. Am besten aktuell, umfassend und vor allem nützlich.

Kurzinterview mit der Tourismusabteilung der Stadt Tokio (Übersetzt von Hiromi Waldenberger, Tourismusbeauftragte der Stadt Tokio):

Götsch GmbH: Der Wettbewerb zwischen den Städten nimmt immer mehr zu. Wie stellt Tokio seine Besonderheiten heraus?

Tourismusabteilung der Stadt Tokio: Tokio verkörpert die Fusion von Tradition und Moderne. Ein konkretes Beispiel ist der Stadtteil Asakusa mit der alten Tradition der Edo-Zeit (alte Bezeichnung von Tokio, 1603 bis 1867) und dem neuesten Highlight „Tokyo Skytree“. Um die Stadt und ihre Vorzüge vorzustellen, gehen wir in die jeweiligen Märkte und veranstalten unter anderem Business Meetings, Tourismus-Seminare und Medien-Events. Angesichts der erwarteten Zunahme von Individualreisen werden wir in Zukunft die Unterstützung der Reisebüros verstärken und die Stadt noch besser beim Endverbraucher durch entsprechende Events oder mittels Internet vermarkten.

Gibt es in puncto Stadtmarketing in Tokio Innovationen, die so in keiner anderen Stadt zu finden sind?

Wir bieten eine Tourismus-Website in mehreren Sprachen an und sind in sozialen Medien wie Facebook vertreten. Diese Tools wollen wir verstärkt und aktiv einsetzen, um aktuellste Informationen in Echtzeit zu versenden. Die Angst vor der Sprachbarriere ist bei den Touristen nach wie vor noch groß. Hier versuchen wir den Besuch so angenehm wie möglich zu gestalten, indem wir Hinweisschilder im öffentlichen Verkehr mehrsprachig (Englisch, Japanisch, Koreanisch und Chinesisch) gestalten. Die Bemühungen um den Ausbau der touristischen Infrastruktur und deren Contents wie das sprachliche Entgegenkommen gehen weiter. Die „Omotenashi“, also die Gastfreundlichkeit der Japaner ist einmalig, daher wollen wir den Reisenden das anbieten, was sie brauchen. Die Stadt bemüht sich, das Umfeld dafür zu schaffen und die Rahmenbedingungen zu definieren.

Welche Ziele hat das Stadtmarketing von Tokio über die Steigerung der Touristenzahl hinaus?

Tokio ist Mitglied der touristischen Allianz aus neun Städten in Asien (Bangkok, Delhi, Hanoi, Jakarta, Kuala Lumpur, Manila, Taipei, Seoul und Tokio), die sich im Rahmen der „Welcome Asia Campaign“ gemeinsam dem Ziel der Steigerung der Touristen aus den USA, Europa und Australien nach Asien verschrieben haben. Neben der Werbung mit Postern und Broschüren arbeiten wir an der Entwicklung des „One Asia Pass“, der eine Rundreise in verschiedene Länder Asiens ermöglichen soll.